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Vereinsgeschichte

Blick zurück mit Stolz -- die Entwicklungen von 1985 bis 2010

Die Entstehungsgeschichte des Vereins AhA! ist ein Teil der Geschichte der Psychiatrie. Mit den Anfängen der Sozialpsychiatrie war die Zeit reif geworden, die Angehörigen als Partner zu sehen. Nicht mehr wie bisher als Erbschuldträger, Verursacher der Erkrankung oder Anamneselieferanten. In dieser Aufbruchstimmung trat Professor Heimo Gastager im Rahmen seiner regelmäßigen Angehörigensprechstunden an Irmgard Holz-Dahrenstaedt mit der Anregung heran, eine Lobby für Angehörige psychisch Kranker zu initiieren.

1985 kam es am 1. August zur Gründung des vorerst APK – Angehörige Psychisch Kranker – genannten Vereins.

1988 änderte man den Namen auf APK – Angehörigenverein psychisch Erkrankter. Man wollte verdeutlichen, dass wer erkrankt ist auch wieder gesunden könne.

1992 wollte man Zuversicht vermitteln und nach außen transportieren. Es entstand der heutige Name: AhA! – Angehörige helfen Angehörigen, Verein für psychische Gesundheit

1996 schloss sich AHA! dem Dachverband HPE Österreich an.

Das Kürzel „AhA!“ wurde zum bekannten Markenzeichen und steht für subjektive Hilfe und Lobbying. In den monatlichen Jour-fixes entluden sich explosionsartig bei vielen TeilnehmerInnen die Schilderungen ihrer misslichen Situation im gemeinsamen Haushalt mit dem erkrankten Familienmitglied. Von Anbeginn unterstützten uns sehr verständnisvolle Professionelle, die bei diesen Treffen den Angehörigen mit aufbauenden und sachlichen Informationen zu Hilfe kamen. Zusätzlich boten vierteljährlich geladene Experten, sowie nahe stehender Organisationen, den Angehörigen eine möglichst vielseitige Fortbildung.
Die Probleme der Angehörigen wurden gebündelt und öffentlich artikuliert. Bei Veranstaltungen oder in persönlichen Vorsprachen bei politischen Entscheidungsträgern, Ärztekammer, Krankenversicherungen und leitenden Krankenhausärzten sowie über schriftliche Argumentation bei den zuständigen Ministerien.

1994 wurde verstärkt Mitsprache von Erfahrenen und Angehörigen in der Planung und Therapie als unabdingbare Voraussetzung eingefordert.

1999 wurde der Fachwelt erstmals das große Risiko vor Augen geführt, dass Kinder und Jugendliche mit psychisch erkrankten Elternteilen Gefahr laufen, selbst psychisch zu erkranken. Präventivmaßnahmen werden eingefordert.

AhA! sah, dass betroffene Familien völlig überfordert waren mit der Verantwortlichkeit für alle Lebensbereiche ihrer erkrankten Kinder im Erwachsenenalter. AhA! forderte als Hilfestellung eine Einrichtung zur „rund um die Uhr Betreuung“ für schwierige Patienten. Die Wohnbetreuungseinrichtung Tauernhof mit 24-Stunden-Betreuung kommt zustande.

Schritt nach vorn – ein Verein entwickelt sich 1999 bis 2004

1999 war für AhA! das große Jahr der Reorganisation und des Lobbyings. Der Verein wird initiativ in die Gründung der Plattform Psychiatrie eingebunden. Man engagierte sich u.a. für den Ausbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie und den Neubau der Psychiatrie I. AhA! leitete die Geburtsstunde des außerstationären, psychiatrischen Krisennotdienstes von Pro Mente ein.

2000 wurde von der Plattform Psychiatrie und AhA! der Trialog ins Leben gerufen, an dem Betroffene, Angehörige und Experten zu verschiedenen aktuellen Themen teilnehmen. Es kam zur Verbesserung der psychosozialen und stationären Versorgung. Bei der Jahreshauptversammlung wurde die bisherige Vorsitzende DI Irmgard Holz-Dahrenstaedt feierlich verabschiedet und gleichzeitig zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Ihr Erbe trat Sigrid Steffen an, Mag. Karin Hager wurde zur ihrer Stellvertreterin ernannt.

Im selben Jahr konnten eigene Büroräume in der Lessingstr. 6 bezogen werden, die auch einen Beratungsraum, eine Bibliothek und ein Besprechungszimmer für die monatlichen Jour-fixes umfassten. Endlich waren alle Angebote unter einem Dach vereint und machten ein noch effizienteres Arbeiten möglich.

2001 ermittelte eine Bedarfserhebung unter Angehörigen unsere primären Schwerpunkte: Informationsvermittlung, Peer-Gespräche und Unterstützung in Krisensituationen. Erste Schritte gehen in Richtung Entstigmatisierung psychisch Kranker. Zeitungen brechen mit dem Tabu psychischer Erkrankungen und rückten unsere Arbeit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Die Kooperationen zwischen AhA! und psychiatrischen Einrichtungen wurde intensiviert. Beschwerden über eher Pharmakologie-lastige Behandlungen oder den Umgang mit Patienten und deren sensibilisierten Angehörigen werden vom Verein aufgenommen und gemeinsam mit der Klinik aufgearbeitet.

2002 wurde in Bischofshofen die Angehörigengruppe AhA! Pongau ins Leben gerufen. Frau Anna Maria Fischer, die die Angehörigengruppe Pongau leitet, erhielt im Dezember 2003 vom Bundesministerium für Soziale Sicherheit, Gesundheit, Generationen und Konsumentenschutz die Auszeichnung „Volunteers Award“ in der Kategorie Familie.

2003 wird das Betreuungs- und Beratungsangebot von AhA! umfassend erweitert. Peer-Beratung durch erfahrene Angehörige, Familien- und Psychotherapie, offene Gesprächskreise (co-edukative Gruppen), ORFF-Kurse für Angehörige und Betroffene, das Beschäftigungsprojekt „Haydn-Konzerte“ für Betroffene.

Das Kommunikationszentrum OASE wird eröffnet. Die Geschäftsführung obliegt dem Verein AhA!. Die OASE bietet psychisch Kranken, als Selbsthilfeprojekt, unterstützt durch eine diplomierte Sozialarbeiterin, Hilfe und Begleitung im Alltag und einen Weg aus der Einsamkeitsfalle.

Erfolgreich war auch die Antistigmakampagne, initiiert gemeinsam mit der Plattform Psychiatrie. Viele medien- und öffentlichkeitswirksame Aktionen und ein schönes Fest in der CDK machten die Kampagne zu einem Ereignis.

2004 wird die Angehörigengruppe AhA! Pinzgau gegründet. Das neue Projekt JOJO – Kindheit im Schatten, ging erfolgreich in die Pilotphase über.

2005 An die 200 Gäste kamen zur AHA! Jubiläumsfeier. Diese große Resonanz auf unsere Einladung war eine Bestätigung für die Arbeit, die AhA! seit 20 Jahren leistet, um Stein für Stein die Mauern der Ausgrenzung, Diskriminierung, Intoleranz und der zunehmenden Entsolidarisierung gegenüber psychisch kranken Menschen und ihren Angehörigen abzutragen. Unser wichtigstes Anliegen war, ist und bleibt unsere Hilfe für die Angehörigen bei der Bewältigung ihrer Not und existenziellen Sorgen, um die Lebensqualität des Einzelnen positiv zu beeinflussen. Nicht zuletzt mit Hilfe von AhA! haben Angehörige gelernt, ihre eigenen Ressourcen und Grenzen zu erkennen und die notwendigen und wirksamen Versorgungsmaßnahmen für Ihr krankes Familienmitglied einzufordern. Dies ist ein 20jähriger Lernprozess mit open end.