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Schizophrene Störungen

Schizophrene Störungen treten kulturübergreifend in einer vergleichbaren Häufigkeit von 1% der Bevölkerung auf, sind also sehr häufige Erkrankungen. Viele weit verbreitete Vorstellungen über schizophrene Erkrankungen sind falsch: Der Verlauf dieser Störungen zeigt große Unterschiede und ist keinesfalls biologisch vorherbestimmt. In vielen Fällen sind schizophrene Störungen keine chronischen Erkrankungen. Für Menschen mit der Diagnose Schizophrenie gibt es gute medikamentöse, psychotherapeutische und rehabilitative Behandlungsmöglichkeiten. Die Betroffenen haben keine "gespaltene Persönlichkeit" und sind nicht gewalttätiger als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Wer bin ich? Bin ich überhaupt?

Die Ersterkrankung tritt sehr häufig erstmals in der Übergangszeit von der Jugend ins Erwachsenenleben auf, wenn der junge Mensch die so existenziell wichtige Frage "Wer bin ich?" zu beantworten hat. Das Dilemma ist allgemein menschlich - einerseits gilt es, eine selbständige, unabhängige, von anderen und der Umwelt abgegrenzte Persönlichkeit zu sein, und gleichzeitig sind wir als soziale Wesen nähesuchend, hilfsbedürftig und verletzbar. Diese Spannung zwischen dem Bedürfnis nach Kontakt und der Angst, missverstanden, abgewiesen oder verschlungen zu werden ist für Menschen mit schizophrenen Störungen oft schwer auszuhalten. In der Beziehung zu ihnen zeigt sich dies häufig durch eine Nähe/Distanz-Problematik, die es mit sich bringt, dass der Betroffene einerseits eine große Sehnsucht nach Verbundenheit und Geborgenheit bis zu Verschmelzungswünschen zeigt, andererseits aber sehr wenig aktiv zur Aufrechterhaltung von Beziehungen tut, sich in seine "wahn- bzw. eigensinnige" Gedankenwelt zurückzieht oder sogar seine Bezugspersonen von sich wegstößt.

Leben in einer "anderen" Wirklichkeit

Ein Mensch, der an einer schizophrenen Erkrankung leidet, ist manchmal so dünnhäutig, dass er die Grenzen der eigenen Person nicht mehr spürt. Reize aus der Umwelt (Farben, Geräusche, Stimmen usw.) können ungewöhnlich lebhaft und in ihrer Qualität verändert wahrgenommen werden und den Betroffenen überfluten, gleichzeitig drängen auch viele Eindrücke aus seinem Unbewussten ins Bewusstsein - die Fülle an Informationen ist nicht mehr verarbeitbar. Da innere Erfahrungen und äußere Eindrücke nicht mehr getrennt werden können, gelingt die Realitätsprüfung nicht mehr ausreichend. Dies kann sich so äußern: eigene Gedanken werden als äußere Botschaften akustisch wahrgenommen ("Stimmen hören"), der psychische Einfluss einer anderen Person wird als Berührung gefühlt, Selbstzweifel werden zu Beschuldigungen Dritter, Schuldgefühle zur Verfolgungsangst, Wünsche nach Anerkennung zu wahnhafter Vorstellung von eigener Größe, Macht und überirdischen Fähigkeiten usw.
Das Denken und die Sprache von Menschen mit schizophrenen Störungen wirkt auf die nahen Bezugspersonen besonders in akuten Krankheitsphasen als unlogisch, irreal, sprunghaft und vor allem unverständlich. Verständigungs- und Verständnislosigkeit und ein großes Schutzbedürfnis führen oft dazu, dass die Erkrankten sich in ihre subjektive Welt mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen zurückziehen. Angehörige geraten in Gefahr, in den abgrundtiefen Sog der Verunsicherung hineingezogen zu werden, und aufgrund der ständigen Sorge um den Erkrankten ihr eigenes Leben zu vernachlässigen. Sie brauchen selbst Unterstützung, um ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen von Verständnis und Hilfe wahrnehmen zu können, damit sie dem an Schizophrenie Erkrankten ein authentisches Gegenüber sind, das Orientierung bieten kann.

Hier gibt es weitere Informationen zu möglichen Ursachen von psychischen Erkrankungen und zu verschiedenen Therapieformen.