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Therapien

Verschiedene Therapiemöglichkeiten bei psychischen Erkrankungen

Psychische Erkrankungen sind sehr komplex und individuell sehr unterschiedlich ausgeformt. Jeder davon betroffene Mensch benötigt eine, den individuellen Bedürfnissen angepasste Kombination verschiedner therapeutischer Ansätze. Dabei gibt es folgende wichtige Themen:

Medikamente
Psychotherapie
Rehabilitation
Selbsthilfe

 

Mit Hilfe von Medikamenten

Die Informationsübertragung im Gehirn erfolgt von einer Nervenzelle auf die nächste durch chemische Botenstoffe („Neurotransmitter“ – z.B. Dopamin). Psychische Erkrankungen und Krisen gehen mit einer Veränderung der Konzentration von Botenstoffen im Gehirn einher. Hier versucht die Medizin mit Hilfe von Medikamenten einzugreifen. Diese Medikamente werden unter dem Begriff "Psychopharmaka" zusammengefasst und wirken sich regulierend auf das seelische Befinden aus. Die Psychopharmaka helfen gegen verschiedene Symptome psychischer Erkrankungen und können dazu beitragen, dass diese Symptome weniger häufig und weniger ausgeprägt sind oder ganz verschwinden. Meist stellt eine wirksame medikamentöse Therapie eine wichtige Voraussetzung für die optimale Nutzung psychosozialer Therapieangebote und eine Unterstützung der Selbstheilungskräfte dar.

Bei den Psychopharmaka kann man folgende Gruppen unterscheiden:

  • Antipsychotika: Sie werden einerseits zur Behandlung der Symptome bei psychotischen Störungen eingesetzt und dienen andererseits der Senkung des Wiedererkrankungsrisikos. Derzeit kann man zwischen den „typischen“ ( „älteren“/ „konventionellen“/ „klassischen“) und den „atypischen“ („neuen“) Antipsychotika unterscheiden. Von Antipsychotika wird man nicht abhängig!
  • Antidepressiva: Sie werden zur Behandlung depressiver Erkrankungen eingesetzt und wirken stimmungsaufhellend. Es ist wichtig zu wissen, dass Antidepressiva erst nach längerer Einnahmedauer (2-4 Wochen) ihre volle Wirksamkeit entfalten. Sie bergen keine Gefahr der Abhängigkeit.
  • Phasenprophylaktika: Sie verhindern neue Krankheitsphasen bei affektiven und schizoaffektiven Störungen bzw. reduzieren deren Dauer und Ausmaß. Es besteht keine Gefahr der Abhängigkeit.
  • Tranquilizer und Hypnotika: Sie dienen der Behandlung von Angst- und Spannungszuständen und wirken schlafanstoßend. Manchmal werden sie auch am Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva eingesetzt, um deren langsamen Wirkungsbeginn zu überbrücken. Sie sollten nicht länger als 3-4 Wochen eingenommen werden, da die Gefahr der Abhängigkeit besteht!

Patient und Arzt sollten vertrauensvoll zusammenarbeiten, um das für den Patienten individuell richtige Medikament und die richtige Dosierung herausfinden zu können – ein Patentrezept gibt es nicht. Dies setzt große Erfahrung und Fachwissen des Arztes, sowie Geduld und Mitarbeit des Patienten, aber auch der Angehörigen voraus. Alle Medikamente haben neben ihren erwünschten Wirkungen auch unerwünschte Wirkungen und es ist nötig, den Nutzen der Therapie (z.B. weniger psychotische Symptome, weniger Anspannung, weniger Krankheitsphasen) gegen deren Nachteile (z.B. Müdigkeit, Mundtrockenheit, Zittern, Gewichtszunahme, sexuelle Störungen) abzuwägen. Dafür ist es nötig, dass Patient und Arzt gemeinsam klären, welche positiven Wirkungen das Medikament hat und welche unerwünschten Wirkungen für den Patienten nicht annehmbar sind. Oft werden Symptome der Krankheit mit möglichen unerwünschten Wirkungen der Medikamente verwechselt.

Psychopharmaka gehören heute zu den am häufigsten verordneten Medikamenten. Mit ihrer Entwicklung haben sich die Behandlungsmöglichkeiten seelischer Erkrankungen wesentlich verbessert und sie haben entscheidend zu einer menschenwürdigeren Psychiatrie beigetragen. Nichtsdestotrotz stellen sie aber nur die Basis für weitere Therapien dar, und eine ausschließliche Behandlung einer seelischen Erkrankung mit Medikamenten entspricht nicht der modernen Psychiatrie.

 

Mit Hilfe von Psychotherapie

Erst im Jahr 1990 wurde die Psychotherapie in Österreich durch das Psychotherapiegesetz geregelt.
Ausbildung und Fortbildung, die Eintragung in die Psychotherapeutenliste, die Pflichten und Rechte, vor allem auch die Verschwiegenheitspflicht des Therapeuten sind in diesem Gesetz festgeschrieben.
Was aber ist Psychotherapie eigentlich?
Psychotherapie ist ein Behandlungsverfahren, welches auf der Beziehung zwischen zwei Menschen aufbaut: Dem an einer psychischen oder psychosomatischen Störung Leidenden, und dem Therapeuten, der die Selbstheilungskraft des Patienten aktiviert und ihm dann ein Wegbegleiter in Richtung Gesundung ist. Dazu ist es oft notwendig, die Ursachen des Leidens zu finden, lebenshemmende Blockaden zu beseitigen und eine neue Orientierung im Leben zu finden.
Neben der Einzeltherapie gibt es auch gruppentherapeutische Verfahren.
Zwar ist die psychotherapeutische Behandlung der ärztlichen gleichgestellt, aber es gibt immer noch keine bundeseinheitliche Regelung für deren Finanzierung. Die Krankenkassen refundieren lediglich einen geringen Beitrag, der kaum einem Drittel der Kosten entspricht. Und „Psychotherapie auf Krankenschein“ kann überhaupt nur von etwa 10% der Patienten in Anspruch genommen werden.

Wie komme ich zu der für mich „richtigen“ Psychotherapie?

Von ganz besonderer Wichtigkeit ist die Persönlichkeit des Therapeuten. Der therapeutische Prozess soll ja von Vertrauen und Sympathie getragen sein, damit auch frustrierende oder angstmachende Situationen ohne Flucht bewältigt werden können.
Der Patient sollte sich also vor Beginn einer Psychotherapie gut informieren. (Beratungsgespräche, Literatur ...) Nicht unwesentlich ist es, ob der Patient lieber mit einem Mann oder einer Frau arbeiten will, wie alt der Therapeut sein sollte u.ä. Handelt es sich um gravierende Leidenszustände wie beispielsweise eine Psychose oder eine Persönlichkeitsstörung, sollte das Augenmerk auch auf die diesbezügliche Erfahrung bzw. Spezialisierung des Therapeuten gelegt werden.
Es gibt eine Reihe, vom Bundesministerium für Gesundheit anerkannter, psychotherapeutischer Richtungen, die sich in der Methodik grundsätzlich unterscheiden, im Ziel aber durchaus übereinstimmen.
In einem Erstgespräch geht es dann nicht nur um das wichtige „Kennenlernen“, es geht auch um die Fragen der Kosten, des Settings, der Wartezeit, vor allem aber der angepeilten Therapieziele.

Auch Psychotherapie hat „Nebenwirkungen“

Es gibt kaum einen psychisch leidenden Menschen, der nicht gelernt hat, sich auf irgendeine Art zu „schützen“. Aber gerade dieser vermeintliche Schutz ist es dann oft, der das Leben inhaltsleer, angstvoll oder freudlos macht. Oft auch sind es ein körperlicher Schmerz oder ein anderes quälendes Symptom, die das Leiden der Seele stellvertretend ausdrücken. In der Psychotherapie wird dieser „Schutz“ nach und nach verschwinden und an seine Stelle das wahre Leiden treten, an dem nun gemeinsam gearbeitet werden kann. Psychotherapie verlangt also einigen Mut, denn es kann vorübergehend auch zu einer Verschlechterung des Zustandsbildes kommen. Es ist daher naheliegend, dass die Motivation zum Einstieg in eine Psychotherapie aus dem Leidensdruck des Patienten kommen muss. Den Angehörigen „zuliebe“ eine Therapie zu beginnen wird kaum erfolgversprechend sein.
Auch die Angehörigen sind oft Mit-Leidende des therapeutischen Prozesses, weil die heftigen negativen Reaktionen des Betroffenen auch vor ihnen nicht Halt machen. Wenn das so ist, dann sollten auch sie Hilfe suchen.

 

Mit Hilfe von Rehabilitation

So wie bei vielen körperlichen Erkrankungen nach der Akutphase eine längere Kur oder ein Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung notwendig sind, spielt die Rehabilitation auch bei psychischen Erkrankungen eine wichtige Rolle. In der Sozialpsychiatrie versteht man unter Rehabilitation das Erreichen größtmöglicher Lebensqualität für den psychisch erkrankten Menschen in den Bereichen Wohnen, Arbeit, Freizeit und soziale Kontakte. Darüber hinaus verfolgt die Rehabilitation auch das Ziel, ein erneutes Auftreten der Erkrankung zu verhindern bzw. den Erkrankten zu befähigen, besser mit den Einschränkungen durch seine Erkrankung umgehen zu lernen und zukünftige Krisen leichter bewältigen zu können.

Seiltanz zwischen Über- und Unterforderung

Rehabilitation ist immer ein Seiltanz zwischen Über- und Unterforderung. Unrealistische Ziele und Erwartungen wie z.B. volle Arbeitsfähigkeit, sofort selbständig leben können usw. können zu einem neuerlichen Rückfall in die Krankheit führen, Unterforderung fördert den Rückzug des Erkrankten, mindert sein Selbstwertgefühl und führt so nicht selten ebenfalls wieder in die Krankheit.
Der Grundstein für eine gute Rehabilitation wird schon während der Akutbehandlung beim ersten Auftreten einer psychischen Erkrankung gelegt, indem die therapeutischen Bezugspersonen dem Betroffenen auf einer partnerschaftlichen Ebene begegnen, schon möglichst früh im Rahmen dieser Vertrauensbeziehungen die Eigenverantwortung und -kompetenz des Erkrankten fördern und ihn motivieren, an einer längerfristigen Behandlung mitzuarbeiten. Bereits auf den psychiatrischen Akut-Stationen wird den Patienten Tagesstruktur angeboten, mittels Ergotherapie kann der Erkrankte Leistungsfähigkeit und Durchhaltevermögen, mittels Physiotherapie seine Körperwahrnehmung und körperlichen Leistungen trainieren.

Rehabilitation kann stationär, teilstationär oder ambulant erfolgen.

Bei einem Teil der Erkrankten klingen nach der Akutphase die Krankheitssymptome wieder relativ rasch ab, sodass diese Menschen keine spezialisierten Rehab-Maßnahmen benötigen, beim größeren Teil der Erkrankten ist aber eine längerfristige Rehabilitation erforderlich. Diese kann im Rahmen von speziellen stationären Rehabilitationsprogrammen erfolgen, wo dem psychisch Erkrankten meist über einige Wochen bis Monate eine Vielzahl an therapeutischen Möglichkeiten (Einzel- und Gruppentherapie, Ergotherapie, Entspannungstherapie, Fertigkeitentraining, Einbindung von Angehörigen im Rahmen von Familientherapie, sozialarbeiterische Unterstützung usw.) zur Verfügung stehen. Kann und möchte der Erkrankte schon zu Hause leben, gibt es teilstationär das Angebot der Tagesklinik, wo der Betroffene ebenfalls über einen Zeitraum von mehreren Monaten tagsüber an einem umfassenden Behandlungsprogramm teilnehmen kann.

 

Selbsthilfe

Eine Erkrankung, die nicht in kurzer Zeit geheilt werden kann und keine Einschränkungen zurücklässt, macht es erforderlich, dass Betroffene eigene Wege finden, zumindest zeitweise mit der Erkrankung zu leben und die Gesundheit zu verbessern. Bei allen schwereren Erkrankungen sind nicht nur die Erkrankten, sondern auch deren Familien und Freundeskreis betroffen. Auch in ihrem Leben ändert sich viel und sie müssen neue Perspektiven und neue Wege finden. Dafür gibt es keine Patentrezepte, sondern jeder muss seine eigene individuelle Lösung finden. Was es aber sehr wohl gibt, sind Unterstützungen bei dieser Suche, und eine wichtige Form stellt die Selbsthilfe dar.

„Selbsthilfegruppen sind Versuche, aus eigener Betroffenheit heraus gemeinsam mit anderen eigene Wege bei der Bearbeitung eigener Probleme gehen zu lernen.“ (Balke, 1988)

Die Bedeutung der Selbsthilfegruppen nahm in den letzten Jahren stark zu und stellt eine wichtige Ergänzung zu professionellen Angeboten dar. Durch die Schwierigkeiten, die mit der Erkrankung verbunden sind, ziehen sich viele immer mehr zurück, vor allem auch, weil es fast unmöglich scheint, anderen die Probleme verständlich zu machen.
Mit der Teilnahme an den Gruppen lösen sich die Menschen aus der persönlichen Isolation und werden durch den Erfahrungsaustausch mit den anderen Gruppenmitgliedern zu „Experten in eigener Sache“. Schon bei den ersten Treffen hilft die sehr positive Erfahrung, dass man von den anderen ohne lange Erklärungen verstanden wird und man sich alles Belastende von der Seele reden kann. Dabei ist es gut zu wissen, dass nichts von dem, was in der Gruppe gesprochen wird, jemals nach Außen getragen wird.
Im Austausch mit Anderen, die in einer sehr ähnlichen Situation sind wie man selbst, kann man nicht nur am Beispiel der anderen lernen, sondern auch die eigenen Probleme aus anderen Perspektiven diskutieren. Dabei öffnen sich neue Möglichkeiten für den Umgang mit den persönlichen Problemen, und zusätzlich kann professionelle Unterstützung gezielter und gewinnbringender genutzt werden.
Die Erfahrungen verschiedener Personen zeigen oft, dass mehrere unter anderen auch genau das gleiche Problem haben, z.B. mit einer Institution, einer gesetzlichen Regelung oder ähnlichem. Dann ist es sehr hilfreich, wenn man gemeinsam, im Sinne der Interessensvertretung, auftreten kann, um Veränderungen zu erreichen. Nicht umsonst ist der Leitspruch vieler Selbsthilfegruppen „Gemeinsam sind wir stärker!“.
In Österreich gibt es bereits sehr viele Selbsthilfegruppen, sowohl für psychisch Erkrankte, als auch für deren Angehörige. HPE, Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter, bietet in allen Regionen Österreichs Selbsthilfegruppen aber auch Einzelberatung für Angehörige an. Hier geht’s zu Homepage des HPE. Der Verein AhA! ist Mitglied von HPE Österreich und seine Vertretung im Bundesland Salzburg. Die Adressen der Selbsthilfegruppen im Land Salzburg entnehmen Sie bitte der Rubrik Kontakt.